Donnerstag, 22. Dezember 2016

Meine Lebensgeschichte


Hallo meine Lieben,

wie geht es euch?
In meinem heutigen Post, geht es einmal nicht um Beauty, Make Up und Co., sondern um etwas ganz persönliches. Ich habe sehr lange, einige Jahre jetzt, darüber nach gedacht, ob ich den Post wirklich verfassen soll oder nicht. Gestern Abend dann, habe ich mich dazu entschlossen dies Zutun. Warum ich dies nach all der Zeit tue, werdet ihr euch jetzt sicherlich fragen oder?
Ich hatte bis jetzt immer Angst über das Thema zu sprechen, da Gewalt gegen Frauen immer noch ein Tabu Thema in unserer Gesellschaft ist und meistens den Opfern die Schuld gegeben wird.
Man siehe Sylvester 2015 in Köln. Ich kann mich noch gut daran erinnern wie der damalige Polizei Chef, sowie unsere tolle Oberbürgermeisterin die Vorfälle klein geredet haben.
Alleine als ich hörte: "wenn die Frauen eine Armlänge Abstand gehalten hätten, wäre das ganze nicht passiert.", hätte ich aus der Haut fahren können.
Wie es danach weiterging war eine große Farse und ein Schlag ins Gesicht für die Opfer. Das was mir zugestoßen ist, jährt sich im Februar nächsten Jahres zum vierten mal. Jedoch habe selbst ich mich mich, durch die Aussagen der zwei Herschaften, enorm beleidigt gefühlt.

Sexualiesierte Gewalt ist, wie bereits erwähnt, immer noch ein Tabu Thema und die meisten Opfer schweigen, weil sie sich entweder schämen oder auch Angst davor haben, die Schuld zugeschoben zu bekommen, was meistens ja auch der Fall ist.
In meinem Fall war der Täter ein ehemaliger Arbeitskollege, dem ich vertraut habe und mich bei ihm zu hause, alleine, getroffen habe. Natürlich hätte ich nicht so vertrauensselig sein sollen, aber ich bin damals niemals von dem schlechtesten eines Menschen ausgegangen und außerdem kannte ich ihn auch schon einige Monate.
Das Martyrium war nach dem Abend, jedoch noch nicht zu ende. Da es sich dabei um einen Arbeitskollegen handelte, musste ich dies auch bei meinem ehemaligem Arbeitgeber ansprechen. Er wurde zwar sofort entlassen, allerdings konnte ich mir von einer Schwester meines Chefs so einiges anhören, wie u.a. " Du bist eine Deutsche, du willst es doch nicht anders." oder auch: "stell dich doch nicht so an, so schlimm, kann das ganze ja nicht gewesen sein.". Zudem hat sie mich ausgelacht oder ihn damals auch dorthin bestellt, als ich dort war, um zu schauen, wie ich auf den reagierte. Das war ihre Aussage. Ihr könnt euch sicherlich vorstellen, was dann passierte. Ich hatte einen Nervenzusammenbruch und musste das zweitemal ins Krankenhaus.
Der Krönende Abschluss war dann meine Entlassung und ein Kampf der Anwälte. Und ich habe doch tatsächlich gegen die gewonnen und sie mussten mir meine zwei Gehälter noch ausbezahlen, die sie eigentlich für sich einstreichen wollten.

Dieser Kampf war noch nicht mal der schwerste, der schwerste Kampf stand mir noch bevor und dies war der, gegen mich selbst.
Wie ging es mir? Ich war schwer depressiv, hatte einen Waschzwang und diverse Ängste. Ich konnte in der Zeit nicht alleine auf die Straße gehen und brauchte immer Sicherheit indem mich jemand begleitete.

Wisst ihr eigentlich wie schwer es ist als Opfer, einen Termin bei einem Therapeuten zu bekommen ? Nein? Das wusste ich vorher auch nicht. Die haben teilweise Wartezeiten von 6 Monaten aufwärts. Ich habe mich dann dazu entschlossen, zu einer Organisation zu gehen, die speziell für Frauen da ist und dies, war wirklich eine gute Entscheidung. Die Therapeutin war wirklich ein Glücksgriff  und mir ging es von Therapie Stunde zur Therapie Stunde immer besser. Einige Dinge verschwanden schneller und für die anderen Dinge, brauchte ich etwas länger. Aber es wurde und das hatte ich, laut der Therapeutin, meinem starken Charakter zu verdanken.
Eine spezielle Angst blieb lange und das war die, alleine vor die Haustür zu gehen. Irgendwann waren es meine Eltern leid und haben etwas getan, wofür ich ihnen heute noch sehr Dankbar bin...

Wusstet ihr, das Musik bei der Genesung sehr hilfreich sein kann?
Ich saß damals mit meiner Mutter vor dem Fernseher und wir haben uns eine Karnevalssendung angeschaut und dort traten Kasalla auf. Ich meinte sofort : "wow, die gefallen mir sehr.". Und ich hatte das erstemal wieder Freude an etwas.
Danach wollte ich auf unzählig viele Konzerte gehen und jedesmal, bin ich dann durch die Angst immer wieder nicht gegangen. Bis meine Eltern dann quasi die Notbremse gezogen haben, indem mein Vater damals einfach zum Ticket Shop gegangen ist und für das nächst beste Konzert der Band, eine Karte gekauft hat.
Ich war sehr unsicher aber mein Vater hat mich hingefahren und hat draußen vor der Tür sogar auf mich gewartet, damit ich weiß, das jemand da ist, wenn ich wen brauche.
Freunde hatte ich in der Zeit leider nicht mehr, da diese es vorgezogen haben, lieber nur mit "gesunden" Menschen befreundet zu sein.

Wer mir auf Instagram folgt weiß, wie wichtig mir Kasalla geworden sind. Ich habe bereits beim ersten Konzert gemerkt, wie gut mir deren positive Aura tut. Als ich die Jungs dann kennenlernen durfte, war es um mich geschehen. Ich ging seitdem immer mehr unter Leute und schloss auch neue Freundschaften.
Besonders ein Mitglied der Band schenkte mir alleine durch seine enorme Herzlichkeit und Wärme so viel Selbstvertrauen und Lebensfreude, das ich Mittlerweile mit dem erlebten zurecht komme und es sogar als ein Teil von mir akzeptiert habe.
Er ist einfach so besonders und gerade solche Menschen, gibt es heutzutage so selten. Er strahlt  so viel Lebensfreude und Glück aus, dass das einen direkt ansteckt.
Habt ihr schonmal einen Menschen erlebt, der nur einen Raum betreten muss und diesen direkt mit unglaublich viel Wärme und Herzlichkeit füllt? Genau so ein Mensch ist er.
Er hat mir gezeigt, das ich ruhig wieder vertrauen kann und das mir nicht jeder Mann etwas böses will und dafür danke ich ihm.
Das hier, ist keine Liebeserklärung. Ich mag - und schätze ihn einfach sehr und will ihm schon länger einfach nur mal "danke" sagen.
Auch an die anderen vier ein fettes danke, ein danke dafür, das ihr mit eurer Musik ganz unbewusst Menschen helfen könnt und das ihr einem so viel Energie schenkt.
Ich Liebe euch, danke. 💓

Ihr werdet euch jetzt sicherlich fragen, ob ich den Kerl angezeigt habe. Nein, habe ich nicht. Meine Therapeutin hat mir damals davon abgeraten, weil wir damals alleine waren und ich das damals  sicherlich nicht durch gestanden hätte.

Wie geht es mir heute?
Ich muss sagen, das es mir wieder richtig gut geht. Ich habe das ganze verarbeitet und kann jetzt wieder, ganz normal leben. Ich habe eine Arbeit die mir sehr viel Freude bringt und meine Weiterbildung nebenbei, läuft auch sehr gut. Natürlich wird das ganze immer ein Teil von mir sein, aber es wird nicht mehr mein Leben bestimmen. Die Genugtuung, geb ich dem Kerl nämlich nicht.

Ich bitte euch zu guter letzt darum, keine bösen Kommentare zu verfassen. Mir ist dieser Post einfach sehr wichtig, da ich nun endlich nicht mehr schweige und wisst ihr was, mir geht es gut damit.

Für den Post habe ich jetzt an die 4 Stunden gebraucht, weil ich nach den richtigen Worten gesucht habe. Aber nun ist er fertig und ich stelle ihn online.

Ich wünsche euch alles liebe,
Sarah

Kommentare:

  1. Mich macht es unheimlich traurig, ich w+nsche dir weiterhin viel Kraft und habe den größten Respekt!

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    1. Ich danke dir, für deine lieben Worte.
      Mir geht es heute jedoch sehr gut, weil ich damit abgeschlossen habe. Natürlich wird das immer ein Teil von mir sein, aber ich lasse es nicht zu, dass das geschehene weiterhin mein Leben bestimmt.
      Leider sehen viele Menschen Opfer als Freaks an, weil wir manchmal etwas anders ticken, als Frauen, denen so etwas nicht zugestoßen ist und mit diesem Post habe ich mich jetzt quasi befreit.

      ..Und das hat wirklich gut getan.

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    2. Das klingt gut, nicht das Leben davon bestimmen lassen.

      Ich bin immer wieder schockiert, wieviel Schuld den Opfern zugesprochen wird, nein, "anders ticken" ist doch völlig normal und selbstverständlich.

      Lass' dich nicht unterkriegen ♥

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    3. Natürlich sind immer die Opfer schuld. Seies in den Augen anderer Menschen oder auch in den Augen von Behörden. Das erste was die Fragen ist doch: was man an hatte oder ob man dem Täter irgendeine veranlassung dazu gegeben habe.
      Das ist schon unglaublich und dann wundern die sich, warum so viele Taten einfach nicht angezeigt werden. Die Opfer werden fast immer zu den Tätern gemacht und wenn einer dann doch mal verurteilt wird, bekommt dieser jegliche Art von Hilfe und was bekommt das Opfer? Nichts.

      Besonders die blöden und verletzenden Kommentare unwissender ist teilweise sogar noch schlimmer. Ich konnte mir manchmal Dinge anhören, die ich hier lieber nicht wiederholen werde.

      What doesn't kill you, makes you stronger.Danke dir.♥

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Ich freu mich über jedes Kommentar ♥ ...